Andalusiens Flora

Mich begeistert immer wieder die Vielfalt der Pflanzen, denen ich im warmen Süden begegne. Hier möchte ich einfach die bunte Welt dieser Pflanzen vorstellen – ohne natürlich den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Mir geht es darum, die Schönheit der Blüten und die Besonderheiten der Pflanzen zu zeigen. Einfach so, zum Entspannen und zum Staunen. Ich wünsche dir viel Freude dabei.

Wenn du auf den Namen klickst, geht noch ein Menü mit einigen Informationen auf. Ich habe den geläufigen deutschen Namen als Überschrift gewählt, gibt es keinen, dann ist es der lateinische.

Ein Klick auf die Bilder, vergrößert diese.

Ganzblatt-Andryala (Andryala integrifolia)

April 2026, Conil de la Frontera

Auch Ungteiltblättriges oder Vollblättriges Filzköpfchen genannt

Spannend ist, dass die Pflanze Latex sekretiert. Es ist sehr variabel in Form und Größe und passt sich prima an seine Umgebung an. Sein weißliches Aussehen verdankt es seinem dichten Fell aus sternförmigen Haaren, das den Wasserverlust reduziert und vor übermäßiger Sonneneinstrahlung schützt. Es besetzt ökologische Nischen (besonders in Makaronesien und in Trockengebieten), die für den Erhalt der einheimischen Flora von besonderem Interesse ist.


Krähenfuß-Laugenblume (Cotula coronopifolia)

April 2026, nur an einer Stelle (im Grünstreifen zwischen Strand und Strandpromenade von Conil de la Frontera)

Ursprünglich stammt die Krähenfuß-Laugenblume aus dem südlichen Afrika. Aber tatsächlich war/ist sie auch in Deutschland zu finden. Sie ist fast die einzige in Mitteleuropa vorkommende Art der Gattung Laugenblumen. Die Chancen, ihr in der Natur zu begegnen, sind aber gering, denn sie kommt in Deutschland nur noch an wenigen Stellen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen vor. Zeitweise war sie in Norddeutschland weit verbreitet, heute ist sie jedoch in den Roten Listen als gefährdeter Neophyt eingestuft.

https://www.botgarten.uni-mainz.de/kraehenfuss-laugenblume/


Stängelloser Storchenschnabel (Erodium acaule)

April 2026, Steilküste zwischen Conil de la Frontera und Fuente del Gallo

Erodium acaule ist eine mehrjährige Pflanzenart aus der Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae). Sie gehört zur Gattung Erodium, die umgangssprachlich als Reiherschnäbel bekannt ist. Die Art wächst häufig in felsigen oder trockenen Habitaten (kalkhaltige Böden). Durch ihre Anpassung an nährstoffarme, sonnige Standorte trägt sie zur Stabilisierung der Vegetation in ariden Zonen bei. Erodium acaule spielt eine ökologische Rolle als Frühblüher in mediterranen Ökosystemen und dient Insekten als Nektarquelle.

Auf meinen Bildern sieht man an einigen Blüten sogenannte „Nektarführer“. Sie können verschiedene Farben und Formen haben und befinden sich oft auf den Blütenblättern oder Kelchblättern der Blüte. Hier sieht man sie ganz gut, aber nicht immer können wir Menschen sie sehen. Nämlich dann, wenn die Nektarführer nur unter ultraviolettem Licht sichtbar sind.

Bienen sind in der Lage, Nektarführer auch dann mithilfe ihres ultravioletten Sehvermögens zu erkennen. Dies ermöglicht es ihnen, die Nektarführer zu sehen, auch wenn sie dem menschlichen Blick verborgen bleiben.


Reichardia von Cadiz (Reichardia gaditana)

Auch Sand-Reichardia genannt, da es ihr im Trockenen gut gefällt.

Ich habe diese kleine Pflanze zum ersten Mal in den Dünen bei Conil entdeckt – und seitdem begegnet sie mir immer wieder.

Sie wirkt unscheinbar, aber steckt voller Stärke:

Sie spielt eine wichtige Rolle im Küstenökosystem –

• Pionierpflanze: Sie besiedelt als eine der ersten gestörte oder sandige Flächen
• Bodenstabilisierung: Ihr Wurzelsystem reduziert Erosion
• Förderung der Vegetation: Verbessert die Bodenstruktur für andere Pflanzen
• Bestäuberfreundlich: Zieht Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten an

Damit trägt sie wesentlich zur Erhaltung der Biodiversität bei.

Der Name ist auch spannend – Reichardia wurde nach dem deutschen Botaniker Johann Jakob Reichard (1743–1782) benannt, und gaditana verweist auf Cádiz (der alte Name war „Gades“).

Seit ich sie kenne, sehe ich sie überall – ein echtes kleines Wunder der Küste.

April 2026


Möhre des Todes . . . (Thapsia villosa)

. . . heißt auch noch Wollige Thapsie, Tödliche Karotte oder Behaarte Purgierdolde. Sie ist ein Doldenblütler.

Egal, welcher (deutsche) Name nun am besten passt, schau nur, welch grazile Schönheit sich da in die von ihr so sehr geliebten Sonne schiebt!

Sie liebt es warm und trocken. Auch frühe Trockenheit im Frühling schadet ihr nicht.

Thapsia villosa ist eine sommergrüne Staude, die Wuchshöhen bis 130 cm erreicht.

Die Pflanze ist in allen Teilen stark giftig. Besonders mit der rübenartig verdickten Wurzel sollte man nicht in Berührung kommen, da es auf der Haut Schwellungen hervorrufen kann. Diese tiefreichende Pfahlwurzel speichert Wasser und sorgt fürs Überleben der Pflanze. Der Verzehr der Blätter kann zum Tod führen.

Allerdings wurde sie in der traditionellen Medizin verwendet (insbesondere für Umschläge bei Rheuma).

Aktuell gibt es medizinische Forschungen zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson.

April 2026 an der Steilküste zwischen Conil und dem Cabo Roche.


Zedrachbaum (Melia azedarach)

– oder Paternosterbaum.

Der Zedrachbaum blüht derzeit (März-Mai) in Andalusien wundervoll. Wahrscheinlich kommt er aus Südasien. Er verwildert jedoch schnell und der Ursprung ist nicht ganz gesichert.

Man findet ihn hier an der Atlantikküste Andalusiens zwar gerne als Stadtbaum, aber auch draußen in der Natur immer wieder.

Den Namen „Paternosterbaum“ verdankt er Mönchen aus südeuropäischen Klöstern, die aus den Steinkernen der Samen Rosenkränze herstellen.

Auch Schmuckketten werden daraus gefertigt. Da jedoch gerade die Samen sehr giftig sind, sollte man solche Rosenkränze oder Ketten nicht kleinen Kindern in die Hand geben.

⚠️ Schon der Verzehr von sechs bis acht Früchten kann angeblich zum Tod führen. Singvögel sind nach dem Naschen narkotisiert.

Die Früchte reifen im September und Oktober, doch bleiben den Winter über am Baum, sodass ich nun Blüte, Blätter und Früchte gleichzeitig bewundern kann. Wie wertvoll die Blüte für Bestäuber ist, konnte ich (noch) nicht erfahren


Mittags-Schwertlilie (Moraea sisyrinchium)

Die Kleine (hier maximal 5 cm) ist eine starke Kämpferin – sie wächst in der Sonne auf felsigem Boden bevorzugt in Nordafrika und Südeuropa.
„Wach“ wird sie erst mittags, in größter Hitze.
Tatsächlich habe ich sie morgens nicht entdeckt – aber auf dem Rückweg am Mittag in praller Sonne erstrahlte sie am Wegesrand an der Steilküste von Conil.
Sie blüht von März bis Mai.

Hier April 2026


Südspanische Osterluzei (Aristolochia baetica)

Südspanische Pfeifenwinde, Andalusische Gespensterpflanze 

Sie ist eine wunderschöne Pflanze aus der Familie der Aristolochiaceae. Warum man sie aber nur anschauen sollte, steht weiter unten.

Der Name kommt vom »Aristolochia« von gr. aristos – der Beste, lochos – Kindbett, lochereia – Geburt (die Pflanzen wurden zur Geburtserleichterung genutzt),»baetica« ist der Name einer antiken Landschaft und römischen Provinz im Süden Spaniens.

Vorkommen:

Sie kommt nur in Andalusien, in einem Teil des Levante-Gebiets und in Marokko vor.

Blütezeit:

Die Blüte dauert von Oktober bis Mai. Es sind sogenannte Kesselfallenblüten.

Am Grund ihrer röhrenförmigen Blüten befindet sich ein rundlicher Kessel, dessen Zugang mit schräg nach unten wachsenden Haaren ausgekleidet ist. Dringt ein Insekt in diesen Kessel vor, so ist es gefangen und je stärker es sich bewegt, umso sicherer wird die Blüte bestäubt. Erst wenn die Blüte welkt, kann sich das, jetzt mit Pollen eingepuderte, Insekt wieder befreien, da die Haare dann nicht mehr so starr sind. Und weitere Pflanzen befruchten. Die Frucht ist eine sechsteilige Kapsel deren Form einer Feige ähnelt.

Giftigkeit und Verwendung:

Die ganze Pflanze ist giftig, Inhaltsstoffe sind unter anderem Aristolochiasäure, Noraristolochiasäure und  Magnoflorin

Die Inhaltsstoffe der Pflanze fördern die Menstruation, aber in hohen Dosen kann sie abtreibend wirken. Früher wurde Aristolochinsäure verwendet, um bei schwangeren Frauen Wehen einzuleiten. Allerdings ist es hochgiftig, reizt die Schleimhäute, wirkt krebserregend und verursacht Nierenversagen sowie in hohen Dosen Atemstillstand.

Frauengold (und andere Mittel)

Frauengold war ein frei verkäufliches Arzneimittel zum Trinken, das ab Mitte der 1930er Jahre als Stärkungsmittel rezeptfrei angeboten wurde. Die Wirkstoffe waren Auszüge aus verschiedenen Pflanzen mit Wein. Am 19. August 1981 wurde Frauengold vom Bundesgesundheitsministerium verboten, weil es Aristolochiasäuren enthielt. Die Werbung „Frauengold schafft Wohlbehagen, wohlgemerkt – an allen Tagen“ sollte auf leichtere Menstuationsbeschwerden hinweisen.

In Deutschland gelten seit 1981 alle „Aristolochiasäure-haltigen Human- und Tierarzneimittel, einschließlich phytotherapeutischer und homöopathischer Arzneimittel, die unter Verwendung Aristolochiasäure-haltiger Pflanzen hergestellt werden“ als bedenklich. Ein Inverkehrbringen ist gemäß § 5 AMG verboten. 

Fundort:

April 2026, wenn man sie kennt, sieht man sie überall, an der Küste, in Wohngebieten, manchmal krabbelt sie sogar an Bäumen hoch.


Haferwurzel (Tragopogon porrifolius)

Diese auffällig großen und wunderschönen Fruchtstände begegneten mir im April 2026 am Straßenrand in Fuente del Gallo (etwa auf Höhe des Campingplatzes Fuente del Gallo).

Der wissenschaftliche Gattungsname Tragopogon setzt sich aus den griechischen Wörtern „tragos“ (Bock) und „pogon“ (Bart) zusammen und bezieht sich auf die federigen Pappushaare der Früchte, die an einen Ziegenbart erinnern.

Der Name porrifolius deutet auf die Ähnlichkeit der Blätter mit Lauch (lateinisch porrum) hin.

Die Haferwurzel ist bei uns in Deutschland selten im Gemüsegarten zu finden, was eigentlich sehr schade ist, denn sie ist pflegeleicht im Anbau und verträgt Trockenheit. Sie könnte hier gut gedeihen, auch wenn ihre Heimat eher die Mittelmeerregion ist.

Seit dem 16. Jahrhundert wurde sie in Mitteleuropa angebaut, jedoch später von der ähnlich schmeckenden Schwarzwurzel fast vollständig verdrängt. Ihr Geschmack ist süßlicher als der von Schwarzwurzeln und soll an Austern erinnern.

Die Wurzel ist sehr nahrhaft: Treffend beschreibt es Johann Peter Hebel im Gedicht  „Der Schmelzofen“ : Suug am e Störzli Habermark! Waisch? Habermark macht d’Buebe stark !“

Alles klar ? 😊

Die Pfahlwurzeln werden im Herbst geerntet und gedünstet, frittiert oder gebraten gegessen. Auch die Blätter sind essbar wie Salat oder Spinat.

Im zweiten Standjahr erscheinen wunderschöne lila Blüten von Juni bis Juli.

Die Samenstände erinnern an riesige Pusteblumen.

Haferwurzel ist in Deutschland nicht heimisch, aber dennoch für Bienen und Schmetterlingsraupen wertvoll. Vielleicht sollte ich einmal einen Versuch starten 😊


Übrigens ist der Fruchtstand des Großen Bocksbarts (Tragopogon dubius) ähnlich anzusehen. Der Hauptunterschied liegt hier in der Blütenfarbe: Die Haferwurzel blüht purpurfarben, der Große Bocksbart gelb. Leider hat meine entdeckte Pflanze gerade noch keine Blüten.

Der Große Bocksbart ist in Deutschland heimisch. Allerdings recht selten. Er bevorzugt vor allem wärmebegünstigte Regionen (Rhein-Main-Gebiet, Thüringer Becken). Und er wird auch nicht als Gemüsepflanze kultiviert. Im Vergleich zur Haferwurzel sind die Wurzeln vom Großen Bocksbart dünner und weniger ertragreich. Vor allem in Hungerzeiten wurden sie gegessen und die gerösteten Wurzeln als Kaffee-Ersatz verwendet, wobei sie einen milderen Geschmack als Zichorienwurzeln haben sollen.

Bild 3 mit Kronen-Süßklee im Hintergrund


Kronen-Süßklee (Hedysarum coronarium) (Sulla coronaria)

Auch: Spanische Esparsette, Französischer oder Italienischer Süßklee, Hahnenkopf

Schmetterlingsblütler / Hülsenfrüchtler

Zuerst im April 2026 entdeckt an der Steilküste bei Conil de la Frontera. Diese wird über und über zugedeckt von leuchtenden Blüten (von Weitem sieht es aus wie Alpenrosen).

Die Heimat des Kronen-Süßklees sind der Maghreb und Spanien. 

Die einzige mitteleuropäische Art ist der Alpen-Süßklee (Hedysarum hedysaroides).

Der Klee wird in Spanien und Italien hauptsächlich als Futterpflanze angebaut und ist eine Bienenweide. In Neuseeland dient der Klee als Erosionsschutz – ob er hier an der Steilküste bewusst auch dazu angepflanzt wurde, weiß ich nicht, könnte ich mir aber vorstellen.  Die Pfahlwurzel erlaubt nämlich der Pflanze, auch in heißen und trockenen Klimazonen zu überleben.

In Sardinien macht man daraus den berühmten Sulla-Honig.


Stechendes Sternauge (Pallenis spinosa)

Korbblütler

Als ich dich im April 2026 sah auf dem Steilküstenweg von Conil de la Frontera nach Fuente del Gallo „stachst“ du mir förmlich ins Auge. Nicht besonders lieblich oder hübsch, sondern irgendwie ein wenig „gruselig“.

Als ich dann las, wie das Pflänzchen heißt, wurde mir alles klar: das Stechende Sternauge. Ja, der Name passt perfekt.

Warum es so „stechend“ ins Auge fällt, liegt wohl an den spitz zulaufenden und stacheligen Hüllblättern, die viel länger sind als die gelben Körbchen.

Das Stechende Sternauge kommt im Mittelmeerraum und aufgrund seiner Anpassungsfähigkeit inzwischen auch im Orient vor. Es wächst bevorzugt auf trockenen Kalkklippen und in Wüsten.

Seine Blütenköpfe sollen entzündungshemmend wirken und bei Kopfschmerzen, Fieber, Mundkrankheiten, Atemwegsbeschwerden, Rheumaschmerzen und Prellungen (als Umschlag) helfen.

Ansonsten habe ich über das Blümchen nicht sehr viel erfahren – und hoffe, dass ich ihm vielleicht im nächsten Jahr nochmal eine Chance auf Freundschaft gebe. Nun werde ich ja nicht mehr so von seinem stechenden Auge überrascht.